27.02.2010

In der Bucht von Krabi

Happy Island, Chicken Island, Diamondcave - klingende Namen für eine Landschaft voller Dramatik! Die Bucht von Krabi besteht aus unzähligen Karstkegeln, die sich zerfurcht und von Tropfsteinen behangen, senkrecht aus der Andamanensee erheben. Will man zu den vielen der Küste vorgelagerten Limestone - Inselchen gelangen, so nimmt man am Besten ein Kanu und erforscht diese Welt aus grünem, leuchtendem Wasser und Felstürmen ganz für sich allein. Besonders abenteuerlich ist es, in die Grotten vorzudringen, immer auf der Hut vor den Wellen, die einen gefährlich nahe an die Tropfsteine und messerscharfen Muschelbänke tragen können. Im Dunkel des Berges leuchtet das Wasser in Farbe und Linie wie Aquamarin und Türkis. Kleine Schwalben segeln kunstvoll über den Wellenkämmen dahin und gleiten geschickt durch die schmalen Öffnungen in die Höhlen, wo oben im Dach die Nester kleben.

 
   
 Die nach Westen abfallende Küstenlinie ist die ideale Bühne für das Schauspiel des sich täglich wiederholenden, blutroten Sonnenuntergangs.
 
Eine Welt in einem Sandkorn zu sehen
und einen Himmel in einer Windblume,
die Unendlichkeit in einer Hand zu halten
und die Ewigkeit in einer Stunde.

William Blake

25.02.2010

Gedanken zum Paradies

 
 Die Zeit misst sich im dumpfen Auf und Ab der Wellen, die schwer und träge über das blendende Weiß des Sandes rollen, sich fächerförmig ausbreiten und als kleine Rinnsale zurück ins Meer rieseln. Eine Kokosnuss tanzt auf den Wellenkämmen hin und her. Den grünen Keimling reckt sie wie ein Segel in den kaum spürbaren Wind, wippend, dem Spiel der Wellen völlig hingegeben. Die spitzen Zacken der Palmwedel zittern in hundertfacher Bewegung. In ihrem Zischeln und Knattern sprechen sie die Sprache des Windes, erzählen das immer gleiche Märchen vom Garten Eden.
Träge hockt ein Beo im Wirrwarr der am glatten Palmholz klammernden Orchideen. Müde und fremd klingt seine Melodie. Als er sein amselschwarzes Gefieder spreizt und zum Flug öffnet, leuchten die weiß gezeichneten Schwingen wie eine Erinnerung an Schnee.
Selbst in den Morgenstunden liegt die Hitze wie ein schwerer Mantel über der prallen Schönheit der verschwenderischen Natur. Im sonst so hektischen Flattern der Schmetterlinge liegt Gleichmut und Ruhe, Gleitflug auf träger Luft.
Langsam auch die Bewegungen der Menschen. Das Lächeln der Gesichter, Gelassenheit in den ebenmäßigen Gesichtszügen, die, wie die Natur, die Sprache der Schönheit sprechen. Schwarz glänzendes Haar und samtene, schokoladenbraune Haut. Feingliedrig und zart in Form und Bewegung sind die Menschen, die das Leben hier formt.
 
Der Fremde fühlt sich fremd in diesem Paradies. Nie wird es ihm gelingen, eins zu werden mit dieser Stille. Noch immer Unruhe im Herzen? Der Fremde wartet. Er sucht.
In der Schönheit der Gesichter lässt sich nicht lesen. Das Lächeln verbirgt den Charakter. Nur Gleichmut – keine Entschlossenheit? Nur Ruhe – keine Leidenschaft? Nur Ebenmaß – kein Makel, der von Schwächen erzählt, die den Menschen menschlich machen.
Der Fremde fühlt sich fremd. Bewunderung, Staunen, Fragen, viele Fragen… Der Fremde wartet. Er sucht.
Er spürt, dass ihm der Wandel fehlt. Immer Sonne, keine Schauerwolken. Noch immer kein Regenbogen?
Der Fremde fühlt sich fremd im Paradies. Er versucht sich im Rauschen des Meeres das Knirschen von Schnee vorzustellen und im schweren, süßen Duft der Ananas den klaren Hauch der eiskalten, glitzernden Winterluft.
Der Fremde lehnt sich zurück und genießt!
Er weiß, dass es sie gibt – die Heimat. Das leere Wort füllt sich mit Leben. Erst die Heimat im Herzen lässt den Fremden genießen – den Garten Eden, die vollkommene, immer gleiche Schönheit.
 


22.02.2010

Zurück in Thailand – Similanislands

Zu den zehn schönsten und  intaktesten Korallenriffen der Welt zählt diese Inselgruppe, 75 Kilometer vor der Küste Südthailands, draußen in der Andamanensee, weit weg von den Touristenzentren.
Schwärme von Fliegenden Fischen begleiten unser Boot. Aufgescheucht erheben sie sich wie kleine, silbrige Spielzeugflugzeuge aus dem Wasser und segeln elegant über den Wellenkämmen dahin. Bald darauf Delphine im spielerischen Wettlauf mit dem Schiff!
Unser erstes Schnorcheln bringt bereits eine Begegnung der mystischen Art! Mantarochen, die größten mit einer Spannweite von mehr als fünf Metern ziehen unter uns ihre Kreise und gleiten trotz ihrer Größe schwerelos in meditativ langsamen Bewegungen dahin.
Drei Tage haben wir Zeit, die Unterwasserwelt dieser noch völlig unberührt erscheinenden Inseln zu erforschen. Wir werden zu den besten Schnorchelriffen gebracht und treiben dann mit der Strömung dahin, wie tote Fische alle Vier von uns streckend. Mit den Wellen schaukelnd fühlen wir uns als ein Teil dieser fantastischen Welt!
 
   
 Ab und zu quert eine der großen Karettschildkröten unsere Bahn und zieht mit uns ihre Kreise im warmen, grünen Wasser. Wir spüren, dass das Tier keine Angst hat. Völlig unberührt und versunken im Grenzbereich zwischen dem Unten und dem Oben gleitend, weicht sie erst im letzten Augenblick nach rechts oder links aus, so als würde sie uns erst jetzt wahrnehmen. – Eine Ahnung vom Garten Eden!

15.02.2010

Luang Prabang

Warst du schon in Luang Prabang? Immer wieder wurden wir das gefragt, bevor wir die alte Königsstadt im Norden von Laos erreichten. Für die einen  eine abschreckende Touristenhochburg für die anderen die mystische Mönchsstadt mit den unzähligen Wats, ein Ort voller Geheimnisse und Geschichte. Die Erwartungen sind hoch! Vielleicht  verzeiht man deshalb so schwer den Falangrummel, die stinkenden Abwässer, die in den Mekong fließen, und die für laotische Verhältnisse sündhaft hohen Preise.
Aber da sind auch die goldenen Tempel und die französischen Villen, die der Stadt ein unvergleichliches koloniales Flair verleihen.
  
In der Morgendämmerung  sammeln sich die Mönche zum Almosengang. Gemessenen Schritts und mit ernster, ungerührter Miene nehmen sie  die überreichten Essensgaben der Einheimischen entgegen. Kein Danke, auch kein anerkennendes Nicken. Die Dankbarkeit ist auf Seiten der Gebenden, denn sie haben sich „bun“ erwerben können. Die gute Tat bringt ihnen einen geistigen Verdienst, der sie weiterbringt im endlosen Rad der unzähligen irdischen Leben auf dem Weg in das Nirwana.
 
Alles kann man mir nehmen, nur nicht das, was ich gegeben habe.
Herbert Eisenreich
Beeindruckend ist die Lage auf einer Halbinsel zwischen dem Mekong und dem Nam Khan. Longtailboote warten tief unten am Ufer auf Gäste, einige Luxusbarken, ganz in Teak, geben den betuchten Passagieren die Bühne zur Selbstdarstellung im Liegestuhl an Deck.
Inmitten der Stadt erhebt sich der Tempelberg Phou Si mit seinem goldglänzenden Jehdii. Hierher strömen die Einheimischen, um einen anbetungswürdigen Sonnenuntergang zu bestaunen. Alte Weiblein haben in winzigen Strohkäfigen Pärchen von Minisperlingen, die sie zum Kauf anbieten. Wer die Vöglein fliegen lässt hat „Good luck“! Wir finden, dass wir ein bisschen Glück gut brauchen können. Wir schieben das Stroh auseinander, sodass eine kleine Öffnung entsteht, und  weg sind sie. Das Glück stellt sich augenblicklich ein, als wir die Vöglein hoch oben in den Bäumen jubeln hören!
 

12.02.2010

"Schule einmal anders" Bei den Alak am Bolaven-Plateau

Diesen Post widmen wir im Besonderen unseren Kollegen und Kolleginnen!
Liebe Grüße und erholsame Ferien!
Während ihr eure wohlverdiente, freie Zeit genießt, haben wir heute gearbeitet! Wir waren nämlich in der Schule.
Die Kinder, die hier in völliger Abgeschiedenheit leben, in einem Dorf ohne Strom, ohne Fernseher, mit der Außenwelt nur durch eine staubige Sandpiste verbunden, haben uns sehr beeindruckt:

Braune, staubige Gesichter mit neugierigen, schwarzen Augen.
Barfüßige, kleine Gestalten, die uns umringen, zutraulich, aber nicht aufdringlich.
Ein Lehrer, der schwungvolle Schriftzeichen auf die schäbige Tafel malt und mit stoischer Ruhe die schwätzende, kichernde, auf den Tischen herumturnende Schülerschar ignoriert.

 
 
 Aufgeregtes Lachen und Staunen, als wir auf dem Display der Kamera die Fotos zeigen, die wir gerade von den Kindern gemacht haben.
Ein ca. acht jähriges Mädchen, das eine hölzerne Pfeife raucht, fast so groß, wie es selbst.
Buben, die uns zu einem Spiel mit Kieselsteinchen überreden wollen, einem Spiel, dessen Regeln wir zur Erheiterung der Kinderschar nicht durchschauen.
Besser verstehen wir uns, die Fremden und die Kinder, als wir ein Lied singen, über alle Grenzen der Sprache hinweg, in der universellen Sprache der Welt – der Musik.
 
 Nach der Schule führen uns einige Kinder zum nahegelegenen Markt. Hier wird alles gehandelt, was die Familien zur Selbstversorgung brauchen: Büffelhaut und Bananenblüten für die Suppe, gegrillter Fisch, Minihühnchen am Spieß, Eier mit fast ausgewachsenen Küken, Schlangen, Frösche und Schnecken, Gemüse und Früchte des Waldes in großer Vielfalt, Berge von rotem Chili, getrocknete Flussalgen und natürlich „Lao Lao“ – der beliebte Reisschnaps in Plastiksackerln.

Der große Strom

Mit dem Longtailboot den Mekong flussabwärts: Vorbei an tausenden Inselchen, manche so klein, dass sie nur jetzt während der Trockenzeit über die Wasserfläche ragen, andere kilometerlang, von Fischern bewohnt und von Falangs bevölkert, die, schon fast so braun wie die Einheimischen, in den Hängematten herumlungern. Ein goldenes Wat zieht vorbei, ein dutzend Mönche wie orangefarbene Konfetti davor.
Wasserbüffel kühlen sich genussvoll im grünen Wasser des Flusses oder waten schwarz glänzend am Ufer in stoischer Gelassenheit.

 
 Der Fluss verengt sich und wird schneller. Wellen kräuseln sich und verraten gefährliche Untiefen, die von unserem Bootsmann mit ernstem Blick und voller Konzentration umschifft werden. Während der Regenzeit schwillt der Mekong an dieser Stelle auf eine Breite von vierzehn Kilometern an. Hier bildet er auch mehrere tosende Stromschnellen. In geballter Aggression stürzt sich der Fluss in die Tiefe.
 
 Die Hitze lässt sich nur mit um den Kopf und Nacken geschlungenem, nassem Handtuch aushalten. Wir erfrischen uns, indem wir aus einer geköpften Kokosnuss die frische Milch schlürfen.
 

06.02.2010

Angkor


Angkor, das Herz des mächtigen Khmer - Reiches, das sich vom neunten bis zum dreizehnten Jahrhundert über Indochina erstreckte, ist heute ein großartiger archäologischer Park. Die zahlreichen Tempel sind von üppiger Vegetation überwuchert. Gerade dieses grüne Labyrinth trägt viel zur magischen Atmosphäre bei. Absolut beeindruckend aber sind die bis zu siebenhundert Jahre alten, gigantischen „Spung“ – Bäume, deren weiße Wurzeln wie baumstammdicke Finger das Mauerwerk der Ruinen fest umklammern.

 
   
 Die Welt ist ein Buch.
Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.

Aurelius Augustinus

05.02.2010

Eine asiatische Odyssee

Heute verlassen wir Thailand und wollen die ca. 400 Kilometer nach Siem Reap in Kambodscha mit dem Bus zurücklegen. Die Fahrt wird zu einer wahren Odyssee.
Spätestens jetzt muss man sie verinnerlicht haben – die asiatische Gelassenheit, das Wissen um die Bedeutungslosigkeit der Zeit und die Bereitschaft, sich willenlos in die Hände des unerklärlichen Transport(un)wesens zu begeben. Schon die Fähre von Koh Chang zum Festland hält sich nicht an den Fahrplan. Gefahren wird, wenn das Boot voll ist. Noch recht komfortabel geht es mit dem Mini-Bus auf Thailands Straßen dahin. Die echte Nagelprobe für unsere Asientauglichkeit aber ist der Grenzübertritt nach Kambodscha. In einem chaotischen Durcheinander von Pässen und amtlichen Papieren warten wir auf unser Visum. Dann geht es zu Fuß über die Grenze, in blindem Vertrauen den immer wieder neu zugewiesenen Amtspersonen im Playmobilformat folgend. Als die Falangs in einem länglichen Betonhaus Schlange stehen, befinden sich einige schon im Zustand völliger Auflösung. Alle fünf Meter entsteht in der Menschenreihe eine Ausbuchtung, ein Gedränge. Die Vorderen weigern sich weiterzurücken, die Hinteren schieben ungeduldig nach vor. Es gilt, einen Platz vor den lebensrettenden Ventilatoren zu ergattern. Ganz vorne, dort, wo über das Schicksal der Einreisewilligen entschieden wird, verursachen gleich drei Ventilatoren einen wahren Sturm. Er lässt den Falangs, die ihre roten Gesichter zum Fotoschuss zur Kamera richten die Haare zu Berge stehen. Die gesamte Prozedur an der Grenze dauert vier Stunden. Der erste, der die Fassung verliert, ist ein Österreicher, noch dazu ein Grazer. In einem beängstigenden Wutausbruch tobt er gestikulierend und schreit sich den aufgestauten Ärger von der Seele, Kraftausdrücke verwendend, die Gott sei Dank außer uns niemand versteht. Jetzt fährt der Bus endlich los! Nach drei Minuten der erste Stopp. Aus dem Schatten eines windschiefen Verschlags löst sich ein Bursche und eilt mit einem Kanister herbei. Mit einem großen Trichter wird nun ganz gemütlich unser Linienbus betankt. Der zweite Wutanfall des Österreichers lässt Zweifel aufkommen, ob er diese Fahrt gesund überstehen wird.

 
 Als wir in Siem Reap ankommen, ist es bereits stockfinster. Vertrauensvoll setzen wir uns in ein Tuk Tuk, das uns zu unserem gebuchten Guesthouse bringen soll. Der Fahrer setzt uns allerdings vor einer abenteuerlichen Absteige ab und stammelt in gebrochenem Englisch: „guesthouse full“! Später stellt sich das als ganz gemeiner Trick heraus. Der Tuk Tuk Fahrer erhält Provision, wenn er die ahnungslosen Falangs hier absetzt, egal, ob sie schon woanders gebucht haben oder nicht. Als wir auf den Schwindel draufkommen und nach einer halben Stunde das Zimmer wieder verlassen, müssen wir den Preis für die Nacht bezahlen, da uns der Besitzer mit der Polizei droht. Die 7 US$ können wir leicht verschmerzen, aber die Enttäuschung sitzt tief.

Kein Geld ist vorteilhafter angewandt als das,
um welches wir uns haben prellen lassen,
denn wir haben dafür unmittelbar Klugheit eingehandelt.

Arthur Schopenhauer

02.02.2010

Inselwelten

Seit sechs Tagen kreuzen wir in den Gewässern der Inselwelt Koh Changs. Hier an der äußersten Grenze Thailands zu Kambodscha beobachten wir das noch ursprüngliche Leben der Fischer und fühlen uns in vergangene Zeiten zurückversetzt. Das Innere der Inseln ist bedeckt von dichtem Regenwald. Fast überall erhebt sich die grüne  Wand der mächtigen Bäume undurchdringlich und Respekt einflößend. Die Nacht  ist erfüllt von Geräuschen der Wildnis – faszinierend und fremd. Zum Meer hin säumen weitläufige Kautschukplantagen und Kokoshaine die flach auslaufenden Strände.
 
Heute wagen wir uns auf Fahrrädern in die Gluthitze hinaus. Etwas kraftlos, aber tapfer kämpfen wir uns in ständigem Auf und Ab dahin, von den Einheimischen bestaunt und belächelt und von den Kindern mit Hallorufen und Winken begrüßt. Die Thais selbst sind großteils mit Mofa unterwegs und schütteln über unsere schweißtreibende Fortbewegungsart nur den Kopf. Ein Falang, auch auf dem Rad unterwegs, begegnet uns – triefend und schnaubend, hochrot der Kopf: Jetzt  wissen wir, wie wir aussehen!
Aber nicht nur für die menschlichen Einheimischen sind wir interessant! Auch das Tierreich oben im Geäst der Bäume wundert sich und verfolgt unser Tun mit kommentarlosem Staunen.

Später geht es mit dem Speedboat in wildem Ritt zur nächsten Insel. Finstere Gestalten mit Piratengesichtern an Bord, einer von ihnen mit beeindruckenden Tätowierungen auf dunkler Haut, Raubtierzähnen an der Halskette und am Gürtel eine Reihe von Penisattrappen, erotisch um die Hüfte gebunden. Als er unser Interesse bemerkt (rein platonisch, nur so als Fotomotiv!), macht sich ein weißes Lächeln auf seinem Gesicht breit. Am Ende der Bootsfahrt reicht er nach westlicher Art die Hand zum Gruß und wünscht „Good luck“, ehe er mit schaukelnden Penissen von dannen zieht.